"Wenn Freunde verschwinden" - Eva Weyl 09.02.2016
Text: Quelle RN vom 11.02.2016 Johannes Franz / Bilder: div

APLERBECK. Kabarett, Orchester und regelmäßiger Schulbesuch. Also ein ganz normaler Alltag im Lager Westerbork? „Schöner Schein", weiß dagegen Eva Weyl. In der JFS Aplerbeck berichtete die Zeitzeugin von ihren Erlebnissen aus dem niederländischen Lager der Deutschen Wehrmacht. Ruhig und eindringlich - und manchmal­ mits, leisem Humor. Still lauschten die Schüler der neunten Klasse am Gymnasi­um an der Schweizer Allee, die im vergangenen Septem­ber an der "DoTour für Respekt" teilgenommen hatten.­



Auf dem 500 mal 500 Meter großem Areal wurden seit dem Einmarsch der Wehr­macht jene Juden interniert, die aus Österreich und Deutschland geflohen waren. Eva Weyl und ihre Eltern kamen 1942 nach Westerbork. Frauen und Männer wurden von einander getrennt in riesigen Baracken unterge­bracht. Die Trennung von ih­rem Vater war der erste große Schock für die damals noch nicht einmal sieben Jahre alte Eva. Bereits 1934 war die Familie aus Kleve im Rheinland nach Arnhim gezogen, um vor dem Nationalsozialismus zu fliehen. Geblieben war ih­nen zu diesem Zeitpunkt be­reits nicht mehr viel von ih­rem Besitz. Ihre Mutter hatte allerdings einige Brillanten als Knöpfe getarnt und an den Wollman­tel von Eva genäht. Noch heute ziert einer dieser Steine als Ring ihren Finger. Und erinnert sie stets an die Findigkeit ihrer Mutter.


Vom Lager selbst sagt sie, dass das Leben erträglich war. Der Leiter sei kein Sadist ge­wesen, „er wollte nur, dass es ruhig bleibt", berichtet sie. „Bei einem Aufstand hätte die Abkommandierung an die Ostfront gedroht." Also sorgte die Lagerleitung für eine trügerische Idylle mit Unterhaltungsprogrammen; Schule - und Fußball. „Schöner Schein", wiederholt sie mehrfach während ihres Vortrages. Nur wenige im Lager wollten daher die Schreckensnachrichten, von denen Neuankömmlinge berichteten, glauben. „Warum werden wir denn hier so behandelt, wenn man uns im Osten anschließend umbringt?"




Bomben stoppten Zug ! Der schöne Schein hat also funktioniert. So verließen bis 1944 immer wieder Züge mit Lagerbewohnern Westerbork mit Richtung Auschwitz, Bergenbelsen und Theresienstadt. „Immer mal wieder waren Freunde von mir weg. Ich habe mir nichts dabei gedacht. Ich bin ja auch mit einem Zug gekommen. Und würde das Lager auch so wieder verlassen. "Beinahe wäre es auch soweit gekommen." Als sie und ihre Eltern nach Auschwitz deportiert werden sollten, wurde der Zug durch kanadisches Bombardement gestoppt.